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Deutsche

Deutsche in Queensland

Die ersten nachgewiesenen Spuren von Deutschen im heutigen Queensland führen bis 1838 zurück. Queensland wird als selbstständige australische Kolonie erst in 21 Jahren proklamiert, Brisbane wird erst in vier Jahren von einer Sträflingskolonie in den Status einer freien Siedlung erhoben werden und die Küste der Moreton Bay ist noch weitgehend unberührt, aber eben dort, sechs oder sieben Meilen vor Brisbane betreiben einige Missionare eine Station, die sie Zion's Hill nennen, die aber weitgehend als German Station bekannt ist. Ihre Betreiber sind Deutsche.

Im Januar 1838 erreichten sie Sydney und machten sich auf den Weg nach Norden. Zu dieser Zeit gibt es, abgesehen von Militär und Häftlingen, keine dauerhafte europäische Präsenz im späteren Queensland. Der Zensus von 1841 gibt die Bevölkerung des Moreton-Bay -Distrikts mit 200 an. Separat ausgewiesen sind die 30 Deutschen, 12 davon Kinder. Ihre Mission stellt die erste freie Siedlung in Queensland dar. Sie hatte keine zehn Jahre Bestand, aber die Deutschen blieben. Sie boten später hinzukommenden Landsleuten einen ersten Anlaufpunkt und praktische Hilfe. Spuren der ersten Missionare findet man heute noch auf dem historischen Friedhof. Das Land, auf dem die frühere German Station stand, ist inzwischen zu einem Stadtteil Brisbanes, Nundah, geworden.

Die Besiedlung des Südostens Queensland begann in den 1840 auf dem Landweg. Squatter aus dem Süden drängten hierher. Unter ihnen befand sich mindestens der Deutsche Friedrich Bracker. Im August 1828 verließ er Hamburg und traf zu Beginn des nächsten Jahres in Sydney ein. Er kam nicht allein, mit ihm gingen 299 Merinoschafe von Bord. 1841 pachtete er einen Run in den "Darling Downs" und ließ sich dort nieder.

Zur Mitte der 1850-er Jahre kamen erstmals größere Gruppen deutscher Einwanderer, vornehmlich junge ledige Männer zwischen 20 und 30 Jahren, die ihre Verträge von i.d.R. zwei Jahren Laufzeit erfüllten und beispielsweise als Schäfer für Squatter arbeiteten. Sie bleiben in den Darling Downs. Nach Ende ihres Vertrages verdienten sie ihren Lebensunterhalt oft als Handwerker oder eröffneten Läden. Farmen aufzubauen war für sie zunächst untypisch. Von den 2.100 Deutschen, die der Zensus von 1861 für Queensland ausweist, lebt fast die Hälfte in den Downs. Beachtliche deutsche Minderheiten fanden sich dazu in den dortigen Städten Ipswich, Warwick, Drayton und auch in Brisbane.

Mit den 1860-ern wird die assisted migration nach Queensland auch für Deutsche verfügbar. Johann Christian Heussler und nach ihm Wilhelm Kirchner arbeiten als Einwanderungsagenten in Deutschland. Ihnen gelang es, Ströme von mehreren Tausend in den folgenden Jahrzehnten in die junge Kolonie zu dirigieren. In den 60-ern und 70-ern kamen 17.000 Deutsche direkt nach Queensland. Unter allen Staaten des Commonwealth of Australia wies Queensland deshalb im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts die meisten Deutschen auf.

Die Ersten emigrierten v.a. aus dem Osten, Schlesien, Pommern und Preußen. In den 60-ern kommen dazu verstärk Menschen aus Württemberg, Hessen und Schleswig Holstein.

Der Betrieb einer eigenen Farm war für ihre Vorgänger eher die Ausnahme. Für die, die jetzt kamen, war genau das das Ziel. Die frühen 1860-er markieren den Beginn einer neuen Periode. Mehrere deutsche Familien erreichten 1863 und 1864 Brisbane und erwarben Land im Logan Reserve, südlich der Stadt. Zunächst wurden 500 acres unter 22 Familien aufgeteilt, 16 davon kamen aus der Uckermark. Sie errichteten einfache Holzhütten, umzäunten ihr Land und begannen es zu bearbeiten. Die Siedlung war für die Kolonie völlig untypisch, denn die einzelnen Parzellen waren in schmalen Streifen ausgelegt, so dass die Häuser selbst relativ dicht beieinander standen. Schnell kamen weitere Einwanderer hinzu und es dauerte nicht lang bis auf weniger als einer Quadratmeile mehr als 30 Familien lebten. Dem Ort, der auch als German Pocket bekannt war, gaben sie den Namen Bethanien. Die Siedlung stand bald auf eigenen Beinen und beeindruckte zeitgenössische Beobachter mit ihrem rasanten Wachstum. Für die meisten war der Aufenthalt hier eine Art Sprungbrett. Wenn sich die Möglichkeit bot, anderswo mehr oder besseres Land zu erwerben, wurde sie ergriffen.

Ab dieser Zeit finden sich Deutsche vermehrt in den ländlichen Gebieten im Südosten Queenslands. Das Land hier war ursprünglich ebenfalls mit dichtem Busch bewachsen. Die Deutschen wurden bekannt dafür, Land zu wählen, das andere scheuten. In den nächsten Jahrzehnten wanderten Deutsche auch in andere Regionen Queenslands. Viele landeten zunächst immer noch in Brisbane und zogen von dort weiter, aber Schiffe brachten Einwanderer inzwischen auch direkt nach Cooktown, Maryborough oder Hervey Bay. Zur Jahrhundertwende waren Deutsche also auch nördlich von Brisbane anzutreffen. Um Gympie, Maryborough oder Bundaberg brauchten Zucker- und Holzindustrie Arbeiter, um Rockhampton, Charters Towers und Cloncurry suchten sie nach Gold oder arbeiteten in Minen und selbst in und um Cairns und Cooktown im Norden des Landes waren sie anzutreffen, nirgendwo in gab es Deutsche in Queensland aber in so hoher Konzentration wie im Südosten des Staates.

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