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3: Mit dem Zug nach Xian

1. März 2002:
Wir checkten am frühen Nachmittag aus und begaben uns mit einem Taxi auf den Weg zum Bahnhof. Tickets hatten wir schon ein paar Tage vorher klargemacht.
17:00 fuhr unser Zug nach Xian ab, er würde fast 15 Stunden unterwegs sein. Damit das ganze angenehm bleibt, hatten wir uns zwei Betten im Hardsleeper gebucht. Dort teilen sich sechs Personen ein offenes Abteil mit zwei Triple-Bunk-Betten, die nächst bessere Klasse mit Polsterbetten wäre zu übertrieben gewesen, war auch nicht nötig. Die Betten hier waren zwar hart, aber bequem. Ab und an kam jemand vorbei um Fertignudeln zu verkaufen, man konnte portable VCD-Player mieten, heißes Wasser gab es für lau. Mal nicht schlecht, der Zug, und war so teuer auch nicht.

Gegen 20:00 gingen wir zum Abendessen in den Speisewagen. Dort war es voll, aber wir ergatterten uns nach kurzem Warten einen Tisch und, weil sonst alles recht teuer war, bestellten wir uns gebratenen Reis. Fünf Minuten später begannen die Bediensteten die Chinesen höflich aber bestimmt aufzufordern, das Essen zu beenden und den Wagen zu verlassen. Die Touris kommen!
Bei uns hatten sie auch mal vorsichtig angefragt, bissen aber auf Granit. Und - bumms! - war der Speisewagon voll mit Touristen einer europäischen Reisegruppe. Die hatten eine Pauschaltour gebucht, schliefen in der Polsterklasse, und ließen sich von vorn bis hinten bedienen. Nur mit Stäbchen essen konnten sie nicht und Ilene und meine Wenigkeit amüsierten uns köstlich, als wir zuschauten, wie sie sich versuchten. Da gab es doch tatsächlich welche, die die Holzstäbchen nicht auseinanderbrachen, sondern quasi als automatische Zange benutzten: mit zwei Händen aufbiegen, Happen umschließen, zuschnappen lassen, in den Mund stecken. Das hat dann auch seine Zeit gedauert.
Wir gingen ins Bett.

2.März 2002:
Wir schliefen ganz gut im Hardsleeper, aber am Morgen, ab 6:00 etwa, wurde es dann ziemlich laut. Auch okay. 7:30 liefen wir im Bahnhof von Xian ein.
Kaum hatten wir den Zug verlassen, fanden wir uns inmitten eines wilden Gedränges wieder. Wir wussten - LP sein dank - wo wir hinwollten. Zum Shuang De Hotel, ganz in der Nähe und kämpften uns durch die Massen.

Dass Xian anders sein würde als Peking, war sofort klar. Alle starten mich an, als ob sie noch nie einen Weißen gesehen hätten. Dazu wirkte die Stadt deutlich arabischer. In der Nähe des Hotels gab es dann eine stattliche Anzahl aneinander gereihter Schönheitssalons, wie die Schrift im Schaufenster verkündete. Die Damen in den rot oder blau beleuchteten Eingängen ließen aber etwas anderes vermuten. Ilene wollte mir doch nicht glauben, dass es sich tatsächlich NICHT um Schönheitssalons handelt. Das Doppelzimmer in unserem Hotel gegenüber war soweit in Ordnung, wir fanden es günstig. Ilene telefonierte mit ihrer Austausch-Uni.

Xian war erstaunlich kalt.

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China 2002 tommy Ilene