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1: Peking: Tienamen Platz, Wangfujing Street

Unser Flug ging am 23.Februar 2002 von Berlin, mit British Airways. Meine Freundin kam zwei Wochen vorher nach Leipzig, wir schauten uns ein bisschen in Deutschland um und verbrachten zum Abschluss einige Tage bei meiner Cousine in Berlin (lieben Dank noch mal, wird langsam zur Gewohnheit;)). Dort mussten wir ohnehin mein Visum abholen, dass wir ein paar Wochen vorher persönlich beantragt haben (da waren die Jungs von der australischen Botschaft entspannter, mit denen ging alles per Post. Die Chinesen hingegen bürokratisch wie zu DDR-Zeiten.).
(Wenn's interessiert, Infos, wie man ein Visum für China bekommt, findet ihr beim Fremdeverkehrsamt Chinas.)

24.Februar 2002:
Am Vormittag des 24. kamen wir dann in Peking an. Auf dem Flughafen war ganz schön tote Hose, nur die vier Mädels am Schalter der Touristeninfo sind in Verzückung geraten und überwarfen sich fast, als ich dort mal unverbindlich nach billigen Hotels in der Stadt fragten. Als junger "Weißer" kann man hier offenbar richtig was reißen, wenn man's drauf anlegt. Aber ich war ja nicht nur mit meiner Freundin hier, sie stand auch direkt neben mir. Also hieß es: "tommy, reiß dich zusammen".
Wir verließen den Flughafen, sprangen in ein Taxi, und waren unterwegs zum "Red House", für das wir von Deutschland aus via Internet eine Reservierung klargemacht hatten (und für ein/zwei zusätzliche Hotels auch, man weiß ja nie...).
Auf der Fahrt in die Innenstadt zogen die ersten Eindrücke von China an uns vorüber. Es war erstaunlich leer, zu beiden Seiten der Straße, Wohnhäuser standen weit auseinander, der Verkehr war sehr überschaubar und auch, als wir schon fast am Hotel waren, blieb alles ringsum ziemlich übersichtlich.
Ein bisschen ostig war das Hotel dann vielleicht, aber unsere kleine Suite war spottbillig. Da muss man sich nicht beschweren.
Viel hatten wir heute nicht mehr vor. Wir gingen dann noch eine Runde um den Block, fanden heraus, wo die nächste U-Bahn-Station war, und kehrten in einem kleinen Restaurant ein, wo chinesisches Essen weitaus authentischer schmeckte, als beim Chinesen um die Ecke in Leipzig.
Was wir bisher von Peking gesehen hatten, versprühte insgesamt einen russisch-kommunistischen Charme, so ungefähr würde ich mir Moskau vorstellen.

25.Februar 2002:
Lange wollten wir nicht in Peking bleiben, Anfang März begann Ilenes Kurs in Xian. Deshalb hatten wir hier ein straffes Programm und machten uns gleich heute auf zum Tiennamen Platz und der Verbotenen Stadt. Dorthin ging es mit der U-Bahn.
Der Tiennamen Platz ist super weitläufig, die wichtigen Behörden des Landes haben dort wohl ihre Hauptvertretungen und zu einer Seite schloss sich die Verbotenen Stadt an.
Ihren Namen hat sie daher, weil sie für die letzten paar hundert Jahre für die durchschnittliche Bevölkerung nicht zugänglich war. Der Kaiser mit seinem Hofstaat hatte hier sein Domizil und wollte sich von niemandem belästigen lassen. Heute ist sie das Haupttouristenziel für Chinesen und für ein paar Yuen lassen sie jeden rein. Auch uns.
Schön war es. Nicht nur der Wechsel von offenen, weitläufigen Plätzen und engen, verwinkelten Gassen; die Pagoden, Parkanlagen und Wandbilder beeindruckten uns, sondern auch die Ausstellung antiker kunstvoll verzierter, fernsehergroßer Uhren. Sollte man also nicht verpassen!
Unabdingbar gab es natürlich auch hier Chinesen, die Touristen mit einer Unmenge von Souvenirs zu beglücken versuchten. Die konzentrierten sich im hinteren Teil der Verbotenen Stadt und Ilene und ich konnten nur ungläubig zuschauen, als an einem dieser Ramschstände ein Amerikaner einige hundert USD in angeblichen Jadeschmuck investierten wollte.
Uns dirigierte ein wenig später ein Chinese in fließendem Englisch in eine Kunstausstellung. Chinesische Malerei, Kalligrafie usw. Schlecht war das alles nicht. Der Künstler erzählte uns er hätte Kalligrafie in Harvard (!) studiert und betriebe hier eine Schule, ob wir denn nicht einige seiner Werke kaufen möchten. Nein, wollten wir nicht, und schon gar nicht am ersten Tag in China. Wir hatten ja noch eine langen Weg vor uns.
Inzwischen hatte ich ziemliche Kopfschmerzen. Das weniger wegen des Künstlers, sondern mehr deshalb, weil die Luft über der Metropole dann doch recht dick und dreckig war. Aber unsere Tour durch die Verbotene Stadt war ohnehin beendet, wir nahmen die U-Bahn zurück.

Tienamen Platz, Peking Verbotene Stadt, Peking Verbotene Stadt, China forbidden City, Beijing forbidden City, China

26. Februar 2002:
Die meiste Zeit des Tages verbrachten wir im Hotel, erst am späten Nachmittag zogen wir los zur Wangfujing Street. Das ist eine Touristenmeile mit Shoppingzentren, Leuchtreklame usw. wo abends der Bär tobt. Bunt und laut, mit einer unüberschaubaren Anzahl an Essständen, dicht aneinandergereiht. Dort kann man dann Leckereien wie Skorpione, Tintenfisch, Tausendfüssler oder Hundefleisch am Spieß probieren. Das ist v.a. für die Touristen gedacht. Wir hielten uns an Klöße im Restaurant, dazu gab's Bier. Und das war unglaublich billig: für ein paar Eurocent gab's hier eine dreiviertel Literflasche leckeren einheimischen Bieres. Mir ging's gut.
Auf dem Rückweg zog eine Reisegruppe deutscher Touristen durch die Straße, wir reihten uns ein und der Authentizität wegen kommentierte Ilene ab und an das Geschehen mit "Ja" oder "Was?", den einzigen zwei Worten Deutsch die sie halt kann.

Radfahren in China Wangfujing Street, China Wangfujing Street, Peking

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China 2002 tommy Ilene