Die Geschichte Thailands

Die Erstbesiedlung und die Ankunft der Thai (bis 13. Jahrhundert)

Eine erste Besiedlung des heutigen Thailands liegt laut archäologischer Funde schon 43 000 Jahre zurück. Als Sammler und Jäger lebten Gruppen im Süden des Landes. Doch die ursprünglichen Siedler sind nicht die Ahnen der Thailänder. Die Herkunft der Thai-Völker ist umstritten. Es wird angenommen, dass sie ab dem sechsten oder siebten Jahrhundert aus Süd-China einwanderten. Den Ureinwohnern Thailands entsprangen zwei einflussreiche, hoch entwickelte Völker, die Khmer im Nordosten und die Mon in Zentral-Thailand, welche im 13. Jahrhundert von den immigrierten Thai-Völkern besiegt und zum Teil vertrieben wurden. Es entstanden die alten Fürstentümer Chiang Mai und Sukhothai, welche sich stark an der Kultur der Khmer und Mon orientierten. Sie übernahmen den Theravada-Buddhismus und die Schrift. Sukhothai erweiterte seine Machtstellung hin zum ersten Königreich des heutigen Thailands.

Das Königreich Ayutthaya (14. bis 18. Jahrhundert)

Neben den Machtzentren Chiang Mai und Sukhothai wuchs die Bedeutung des Fürstentums Ayutthaya (Zentral-Thailand), welches letztendlich Mitte des 14. Jahrhunderts das Königreich Sukhothai annektierte. Die Eroberung Chiang Mais erfolgte nach mehreren vergeblichen Versuchen erst Ende des 18. Jahrhunderts. Während die Herrschaft der Sukhothai-Könige von Volksverbundenheit geprägt war, wurde mit dem Königreich Ayutthaya die absolute Monarchie eingeführt. Ayutthaya baute wirtschaftliche Beziehungen zu den asiatischen Staaten, aber auch den europäischen Großmächten auf. Im 16. Jahrhundert intensivierten sich Kontakte mit Portugal, im 17. Jahrhundert folgten Handelsaktivitäten mit holländischen und englischen Händlern sowie der Ausbau von Handelsbeziehungen mit Frankreich. Da den Adligen und der königlichen Familie der übermäßige Einfluss Europas auf den amtierenden König Narai Unbehagen bereitete, wurde dieser Ende des 17. Jahrhunderts mit einem Putsch gestürzt. Daraus resultierte eine Abschottung von den europäischen Großmächten. Die lange zurückreichende Feindschaft zu Birma erreichte einen Höhepunkt mit der Zerstörung Ayutthayas Ende des 18. Jahrhunderts.

Wiederaufbau und Reformen (18. bis 19. Jahrhundert)

Nach dem Sieg Birmas und den folgenden Plünderungen und Verschleppungen war das Land zerstört und zersplittert; die einzelnen Provinzen hatten sich abgespalten. In jahrelangen Bemühungen erreichte der Gouverneur Taksi, der sich zum König krönen ließ, die Wiedervereinigung des Landes. General Chakri löste den zunehmend geistig verwirrten König gewaltsam ab und begründete damit als König Rama I. die noch heute herrschende Chakri-Dynastie. Er führte, wie auch die folgenden Herrscher, den Wiederaufbau des Landes fort. Begleitet wurden diese Bestrebungen vom Ausbau der Handelsbeziehungen zu China und einem erneut wachsenden Interesse der Europäer an Südostasien. Birma wurde inzwischen von den britisch-indischen Mächten kolonialisiert. Um diesen Schicksal zu entgehen, räumte das damalige Thailand den Europäern Handelsprivilegien ein und machte territoriale Zugeständnisse, so dass Thailand in seiner Geschichte nie einer Kolonialisierung zum Opfer fiel. Mit innenpolitischen Reformen wurden gleichzeitig die Herrschaftsstrukturen verändert: der Einfluss des Königshauses und des Adels wurde beschränkt und Ministerien sowie Steuergesetze eingeführt. Zudem fand die Sklaverei ein Ende. Die umfassenden Reformbestrebungen führten zu einem nach innen stabilisierten, modernen Land, welches dennoch seinen Traditionen treu blieb.

Die Epoche politischer und wirtschaftlicher Instabilität (20. Jahrhundert)

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts löste eine konstitutionelle Monarchie die absolute Monarchie ab. Zudem erhielt Thailand, dessen offizielle Staatsbezeichnung seit Mitte des 19. Jahrhunderts Siam lautete, seinen heutigen Namen, der “Land der Freien“ bedeutet. Es folgte eine politisch unruhige Zeit mit einer Reihe von Machtwechseln, in der immer wieder diktatorische Kräfte die Herrschaft ergriffen. Während des zweiten Weltkriegs schlug sich Thailand auf die Seite Deutschlands, Japans und Italiens und hatte nach Kriegsende reichliche Reparationen zu leisten. Im Korea- und Vietnam-Krieg sympathisierte es mit den USA. Den diktatorischen Militärregimes wurde erst Anfang der 70er Jahre ein Ende gesetzt, als sich ein Volksaufstand gegen die Verhaftung oppositioneller Studentenführer formierte. Doch die Regierungszeit des darauf folgenden demokratischen Parlaments währte nur kurz, da es nicht gelang, in dem inzwischen durch Kriminalität und wirtschaftliche Instabilität geprägten Land Ordnung zu schaffen. Ein erneuter Militärputsch löste das Parlament ab und wieder folgten mehrere Regierungswechsel, welche zumindest wichtige Wirtschaftsreformen und außenpolitische Annäherungen an die Nachbarstaaten Kambodscha, Laos und Vietnam mit sich brachten. Erst 1992 begann eine klare Linie der Demokratisierung. Die freien Wahlen gewann Chuan Leekpai, der mit Reformen und Verfassungsänderungen einen guten Weg einschlug, jedoch durch die Opposition behindert wurde. Nach Korruptionsgerüchten folgten Neuwahlen und zwei weitere brüchige Regierungen. Die Unzufriedenheit mit der Führung des Landes wurde durch die Folgen der Wirtschaftskrise 1997 und dem damit verbundenen Abwärtstrend in den Lebensbedingungen der Thailänder noch verschärft.

Die Gegenwartsgeschichte Thailands

Erst 2001 kam mit Thaksin Shinawatra ein Regierungschef an die Macht, der eine bis dahin ungewohnt hohe Mehrheit im Volk für sich gewann. Die große Zustimmung erlangte er mit dem Wahlprogramm seiner Partei Thai Rak Thai (Thais lieben Thais), welches verbesserte Lebensbedingungen und soziale Absicherung propagierte. Bei der Folgewahl 2005 stimmte die Bevölkerung mit einer bis dahin nie dagewesenen absoluten Mehrheit für Thaksin. Doch schon ein Jahr später erschütterten handfeste Korruptionsvorwürfe das Vertrauen des Volkes, so dass die militärische Übernahme der Regierungsmacht 2006 geduldet wurde. Die Neuwahlen 2007 verhalfen der Partei “PPP“ (Phak Palang Prachachon) unter Samak Sundaravej nur kurz zur Regierungsmacht, da sie nicht nur die Folgepartei der inzwischen verbotenen Thai Rak Thai-Partei war, sondern ihre Position – wie so oft in Thailands Geschichte – nur durch Stimmenkauf erreicht hatten. Organisierte Demonstrationsbewegungen erschütterten das Land, so dass nach der Absetzung Samak Sundaravej 2008 der Demokrat Abhisit Vejjajiva in das Amt des Premierministers gewählt wurde. Dieser muss seither immer wieder aufflammenden, schweren Protesten von Thaksin-Anhängern Herr werden.

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