Politik und Wirtschaft in Nepal

Staatsform und Wahlen

Bis zum großen Volksaufstand 1990 unterstand Nepal einem parteilosen Rätesystem, dem Panchayat-System, bei dem alle Macht allein im Palast lag. Kritik war streng verboten und Oppositionelle kamen schnell ins Gefängnis oder mussten ins Exil. Doch im Zuge der Ereignisse 1990 wurde Nepal zu einer konstitutionellen Monarchie mit einem König als Staatsoberhaupt in einem demokratischen Mehrparteiensystem. Nepal bekam den Beinamen “einziges Hindu-Königreich der Welt“, weil es als einziges Land den Hinduismus in seiner Verfassung verankert hat. “Bekehrungsversuche“ an Hindus zum Islam, Christentum oder anderen Religionen wurden streng bestraft.

Am 12. Mai 1991 fanden auch die ersten demokratischen Wahlen statt. 2007 wurde die Monarchie abgeschafft und Nepal wurde zur konstitutionellen demokratischen Bundesrepublik. Die Ausrufung der Republik erfolgte ein Jahr später am 28. Mai 2008. Weitere zwei Jahre später sollte auch eine neue Verfassung verabschiedet werden. Der Termin konnte jedoch nicht eingehalten werden und die drei größten Parteien, der Nepali Congress, die Maoists und die Communist Party of Nepal, einigten sich auf eine einjährige Fristverlängerung. Auch diese wurde noch zwei weitere Male kurz vor Ablauf verlängert. Da es auch bis Ende Mai 2012 noch keine Einigung gab, wurde der bis dahin amtierende gewählte Premierminister abgewählt. Eine neue Wahl für dieses Amt soll im November 2012 stattfinden.

Wirtschaft

Nepal als Entwicklungsland zu betiteln klingt beinahe euphemistisch. Tatsächlich zählt es zu den viertärmsten Ländern in ganz Asien und kann nur als bitterarm bezeichnet werden. Noch bis 1951 war Nepal von der Außenwelt vollkommen abgeschlossen. So etwas wie Außenhandel gab es nur in Form von Tauschgeschäften mit Indien und Tibet. Noch heute versorgt Indien das Land mit den wichtigsten Nahrungsmitteln und erhält dafür als Gegenleistung medizinische Heilkräuter und Handwerksartikel. Tibet dagegen lieferte lange Zeit Holz und Salz und nahm dafür Getreide. Noch heute wird etwa die Hälfte des Staatshaushaltes von Ausland gedeckt.

Die meisten Nepalis, etwa 70% der Gesamtbevölkerung, sind in der Landwirtschaft tätig. Industrie und Dienstleistung stecken in den Kinderschuhen. So verdient sich der Großteil der Bevölkerung den kargen Lohn auf dem Feld. Angebaut werden hauptsächlich Reis und Getreide, aber auch Mais und Kartoffeln. Durch den jährlichen Monsun und die starke Abholzung, die zur unaufhaltsamen Erosion führt, schwindet jedoch Jahr für Jahr mehr an fruchtbarem Boden. 17% der Bevölkerung arbeiten in der Industrie, trotz der denkbar schlechten Voraussetzungen wie der fehlenden Infrastruktur oder der Gefahr durch Naturkatastrophen. Ausländischen Unternehmen wird es schwer gemacht, sich in Nepal einzurichten. Korruption steht an der Tagesordnung.

Der Tourismus zählt in Nepal noch zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Inzwischen reisen jährlich bis zu 300.000 Besucher nach Nepal. Das erfreut vor allem die Sherpas, die sich ein gutes Geld für Bergwanderungen und Touristenführungen verdienen. Obwohl beinahe ein Drittel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt, ist eines nicht zu beobachten: menschliche Verelendung. Trotz aller Nöte und politischer Unruhen kommt es beinahe nie zu Gewalttaten gegen Ausländer oder Flüchtlinge, von denen Nepal in der bewegten Geschichte der vergangenen Jahrzehnte unzählige aufgenommen hat.

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