Die Geschichte Namibias

Vor- und Frühgeschichte

Maherero Day, ein Feiertag in Namibia
Am Maherero Day wird der Geschichte Namibias während der Kolonialzeit gedacht.

Archäologische Funde weisen darauf hin, dass Namibia schon sehr früh von unseren Vorfahren besiedelt war. Im Süden des Landes entdeckte Höhlenmalereien werden auf 26 000 Jahre vor Christus datiert. Namibia war zunächst nur sehr dünn besiedelt und wurde zunehmend durch aus Zentralafrika einwandernde Stämme bevölkert. Als Ureinwohner gelten die nomadisch lebenden San, deren Existenz im Süden des Landes vermutlich (aber nicht klar belegt) bis zu 20 000 Jahren zurückreicht. Die Einwanderung bantusprachiger Völker im Norden hat wahrscheinlich vor circa 500 Jahren stattgefunden. Die Nama besiedelten etwas später den Süden.

Die Ankunft der Entdecker im 15. Jahrhundert

Die Portugiesen betraten als erste Europäer eines der letzten, unerforschten afrikanischen Länder – und waren enttäuscht. Im Südwesten in der Bucht des heutigen Lüderitz angelegt, breitete sich vor ihnen die wasserarme und vegetationsfreie Namib-Wüste aus. So verloren sie schnell das Interesse an diesem eher unattraktiven Landstrich. Mitte des 17. Jahrhunderts steuerten die Holländer von Kapstadt aus die Küste entlang nach Norden, auf der Suche nach bebaubaren Landstrichen. Da kein zweckmäßiges Gebiet entdeckt wurde und es zu Auseinandersetzungen mit den Namas kam, wurde diese Region erst einmal auf Eis gelegt. Erst im 18. Jahrhundert wurden erneut Expeditionen mit Überquerungen des Flusses Oranje von Südafrika her sowie auf dem Schiffsweg zur Erforschung des Landesinneren unternommen. Eine erste Kolonialisierung begann jedoch erst mit der Ankunft der Missionare 1805. Gleichzeitig kam es zwischen den eingewanderten Völkern zu Revierkämpfen: die vom Süden nach Norden drängenden Nama und die im Norden ansässigen Herero lieferten sich blutige Kämpfe. Die im 18. Jahrhundert begonnenen Auseinandersetzungen um Land durchzogen das 19. Jahrhundert, verstärkt durch vom Kap her eingewanderte, bewaffnete Orlam-Stämme (verwandt mit den Nama), die bereits kulturell von den Europäern geprägt worden waren. Um 1840 wurden die unterlegenen Herero schließlich aus dem einst von ihnen besiedelten Gebiet um Windhoek herum verdrängt. Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatten sich die Londoner, die Rotterdamer und die Rheinische Missionsgesellschaft gegründet und niedergelassen. Sie waren bemüht, mit christlichem Glauben gegen die Völkerkriege vorzugehen, hatten damit aber keinen Erfolg. Gleichzeitig wanderten neben den Missionaren aber auch immer mehr Weiße nach Namibia ein, die hier siedelten und Handel betrieben.

Die Kolonialisierung Namibias

Die namibischen Stämme wurden sich langsam des wachsenden Einflusses der Weißen bewusst. Zudem baten die stetig im Kriegsgeschehen gefährdeten weißen Siedler England und das deutsche Kaiserreich um Schutz. Der sich um 1880 zuspitzende “Wettlauf um Afrika“, die Besetzung Afrikas durch die Europäer, setzte auch Deutschland – bisher ohne afrikanische Kolonien – unter Druck. Nach Unstimmigkeiten mit England über die Ansprüche auf Südwestafrika (früherer Name Namibias) drängte das Deutsche Reich unter Bismarck 1884/ 1885 zur Berliner Konferenz. Diese diente dazu, vertraglich und einvernehmlich Afrika unter den europäischen Mächten aufzuteilen – ganz selbstverständlich ohne Berücksichtigung der ansässigen Völker. Deutschland wurde dabei u. a. das bereits unter deutschen “Schutz“ gestellte Südwestafrika, das heutige Namibia, zugesprochen. Mit dieser Konferenz wurde blutigen Kolonialkriegen der Weg bereitet. Die Deutschen begannen Kolonien mit dem Hauptsitz Windhoek zu errichten und den Einheimischen mit Herablassung, betrügerischem Handel, Unterdrückung und ersten Reservatsbestrebungen zu begegnen. Die Bevölkerung Namibias erkannte bald die negativen Absichten der Kolonialmacht und es kam 1903 zu Aufständen und ersten Auseinandersetzungen mit den Nama. Auch die Beziehung zu den Herero spitzte sich zu, führte zu Kämpfen und erlebte den traurigen Höhepunkt 1904 in der Schlacht am Waterberg mit der Ermordung tausender Herero. Nur wenige konnten in die Kalahari entkommen. Die Zahlen der ermordeten Herero schwanken stark und können nicht eindeutig belegt werden. Als sehr wahrscheinlich wird die Angabe von 10 000 bis 14 000 Toten bewertet. Bis heute stellen die Herero Reparationsforderungen an Deutschland für den Völkermord. Diesen wurde jedoch nie nachgekommen. Auf den Kampf gegen die Herero folgte ein Aufstand der Nama, der 1907 aber offiziell beendet wurde; 10 000 Nama ließen ihr Leben. In den folgenden Jahren widmeten sich die Deutschen den Ausbau der Viehwirtschaft und dem seit 1908 begonnenen Abbau des entdeckten Diamantenvorkommens in der Lüderitzbucht an der Westküste. Mit dem Beginn des Weltkrieges 1914 verschoben sich jedoch die Besitzansprüche auf das heutige Namibia. Die britischen Mächte drängten, aus Südafrika einfallend, die Deutschen in den Norden. Im Versailler Vertrag verlor Deutschland 1919 offiziell seine Kolonien. Die Amtssprache in Südwestafrika war nun nicht mehr Deutsch, sondern Englisch und Holländisch, ab 1925 dann auch das verbreitete Afrikaans.

Mit dem Versailler Vertrag begann die Kolonialherrschaft Südafrikas. Weiße Südafrikaner besiedelten das heutige Namibia und bauten die weiße Vorherrschaft aus. Die geplante Einverleibung Südwestafrikas als Provinz Südafrikas wurde den Südafrikanern vom Völkerbund und später von den Vereinten Nationen (UNO) jedoch verwehrt. Der Aufforderung der Vereinten Nationen 1946, Südwestafrika die Unabhängigkeit zuzugestehen, wurde von Südafrika ignoriert. Stattdessen begann eine unerbittliche Apartheidspolitik: 1948 wurden allein von den etwa zehn Prozent der Wahlberechtigten (ausschließlich Weiße aus Südafrika und Südwestafrika) die rechte “Nationale Partei der Buren“ an die Macht gewählt, welche eine umfassende Rassentrennung durchsetze – ob in öffentlichen Einrichtungen, Bildungsinstitutionen oder zwischenmenschlichen Beziehungen. Zudem wurde Namibia 1966 in “Homelands“ aufgeteilt, d.h. abgetrennte Territorien für einzelne Bevölkerungsgruppen, die nicht ohne Weiteres verlassen werden durften. In den 1950er Jahren formierte sich gegen die zunehmende Ungerechtigkeit ein Widerstand der einheimischen Volksgruppen. Sie organisierten sich und gründeten schließlich 1960 die SWAPO (South West Africa People’s Organisation), die den Kampf gegen die südafrikanische Regierung aufnahm. Die wiederholten Aufforderungen seitens der UNO, die Verwaltung und Regierung des Landes abzutreten und es “freizugeben“, wurde von Südafrika ignoriert. Der Druck verstärkte sich, als der SWAPO, unterstützt von der DDR und der Sowjetunion, 1973 von der UNO das alleinige Recht der Völkervertretung zugesprochen wurde.

Der Weg zur Unabhängigkeit

Die immer weiter zunehmende Einmischung anderer Staaten ließ die SWAPO erstarken und zwang Südafrika zu Zugeständnissen. Doch Lösungsentwürfe Südafrikas waren nach wie vor unterdrückend ausgerichtet, die angesetzten freien Wahlen wurden wegen Manipulationen von der SWAPO boykottiert und der Sieg Südafrikas von der UNO für ungültig erklärt. So setzte sich, u.a. mit militärischen Ausschreitungen, der Widerspruch zwischen den UNO-Anweisungen inklusive der entzogenen Legalität des südafrikanischen Regimes und der in Namibia tatsächlich herrschenden Realität fort. Doch mit der widerwilligen Zustimmung des in Bedrängnis geratenen Südafrikas zur UN-Resulotion 435, einem Punkteplan für den Weg zur Unabhängigkeit, war trotz fortwährender Sabotagen die Richtung für die weitere Entwicklung des Landes besiegelt. Bis zur Durchsetzung der freien Wahlen im Jahr 1989 war es jedoch noch ein langer, von Ausschreitungen und Uneinigkeiten gepflasterter Weg. Die United Nations Transition Assistance Group (UNTAG) mit Vertretern aus 109 Ländern überwachte die Schritte zur Unabhängigkeit. Das beinhaltete sowohl die Kontrolle der Wahlen als auch den folgenden Abzug der südafrikanischen Streitkräfte. Die SWAPO stellte als Wahlgewinner gemeinsam mit der DTA eine Regierung auf. Im Februar 1990 wurde die Verfassung der Republik Namibia verabschiedet. Die SWAPO ist auch heute noch stärkste Regierungspartei.

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