Kunst und Kultur in Iran

Traditionelle Fenster in einem Garten im Norden Teherans, Iran
Traditionelle Fenster in einem Garten im Norden Teherans

In Hamburg gibt es Deutschlands erstes persisches online Radio: Radio Faaz. 24 Stunden und sieben Tage die Woche sendet die iranische Community persische Musik und Sendungen, die über persisch–kulturelle Ereignisse in der Hansestadt berichtet: www.radiofaaz.de
Einen Beitrag zum freundschaftlichen Verhältnis zwischen Deutschland und Iran leisten einige kulturelle Vereine. Vor einigen Jahren gründeten Iraner den Verein Diwan in Köln, seit 2012 gibt es den Verein ebenfalls in Hamburg. Auf der Homepage und durch das Magazin bekommen Sie das kulturelle Leben iranischer Gemeinschaften in Deutschland mit: www.diwan-verein.de

1971, vor nicht all zu langer Zeit, feierte Iran sein 2500–jähriges Bestehen bei Shiraz, in Persepolis. Die Feier am Ort des einstigen Sitzes des Königs der Könige zum Jubiläum war eine Festlichkeit mit gewaltigem Prunk und gibt eine Ahnung über die kulturelle Vielfalt, die sich in der langen Geschichte von über zweieinhalbtausend Jahren Entwickelt hat. Die vielen Seiten der iranischen Kultur gehen weit über das heutige Staatsgebiet des Iran hinaus– vergangene Iranische Reiche umfassten weitaus größere Gebiete. So beeinflusste die persische Kultur die osmanische Türkei, Indo-Pakistan und Afghanistan. Samarkand und Buchara waren wichtige Orte poetischen persischen Schaffens.

In manchen Büchern findet man das die Kulturlandschaft Irans beschreibende Attribut zentralistisch. In der Tat befinden sich große Museen (z.B. Carpet Museum), größere Theater und das Gefühl einer bombastischen Großstadt in Teheran. Doch wer an historischer Kunst und Kultur ebenso wie an gegenwärtig gelebter Alltagskultur interessiert ist, möge das gesamte Land bereisen.

Film und Literatur

Besonders der Film als Genre kann als Gegenstand kultureller Aushandlungsprozesse in Betracht gezogen werden. In den 1980er Jahren erleichterte Khatami, damals Minister für Kultur, die strengen Regeln der Zensur und förderte die iranische Kinolandschaft, die bereits zuvor Preise in Cannes und bei der Berlinale gewonnen hatte.

Zu den berühmtesten Filmemachern zählt unter anderem Abbas Kiarostami, bekannt für einfache und realitätsnahe Geschichten. Eine kleine Filmauswahl: “Und das Leben geht weiter“ (1992) (eng. Life and Nothing Else) und “Quer durch den Olivenhain“ (1994) (eng. Through the Olive Trees). Seinen Film “Der Geschmack der Kirschen“ (1997) (eng. The Taste of Cherry) zeichnete das Cannes Film Festival 1997 mit der Goldenen Palme aus.

Mohsen Makhmalbaf ist ein weiterer berühmter iranischer Filmemacher der Gegenwart. Er drehte zum Beispiel “Der Fahrradfahrer“ (1989) (eng. The Cyclist) und “Gabbeh“ (1995), einen poetischen Film, der bunte Farben und Schwarz mit Sinn in die Teppichkunst der Kaschgai–Nomaden verwebt. Der Film “Blackboards“ (1999) von seiner Tochter Samira Makhmalbaf in Kooperation mit ihm gewann 2000 den Preis der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes.

Eine der bekanntesten iranischen Filmemacherinnen ist seine Frau Marzieh Meshkini. Sie drehte den drei Episoden Film “The Day I Became a Woman“ (2000) auf der Insel Kisch (eng. Qeshm) am Persischen Golf. Der Film wurde 2000 bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet.

Nicht nur in Teheran, sondern auch an anderen Orten des Landes spielen Filme der letzten Jahrzehnte, in denen unterschiedliche ethnische Gruppen vorkommen. Von manchen Filmen wirst du auf Langstreckenfahrten in den zahlreichen Autobussen erfahren und erste oder weitere persische Worte aufnehmen können. Bebenid! Sieh genau hin!

Ebenso reist wohl in Iran niemand, ohne von dem literarischen Schaffen in Irans Geschichte und Gegenwart zu erfahren. Immer wieder werden Iraner von den Dichtern Hafis (1320 – 1389) und vSaadi (um 1190 – 1283 od. 1291) sprechen. In Shiraz sind ihre Mausoleen ergreifende Orte. Dort werden berührte Leser, Licht und Duft dich vielleicht ebenso berühren wie einst Hafis von seiner geliebten Heimatstadt Shiraz berauscht war und poetische Worte fand. Der Poet und Mystiker Saadi schrieb die bekannte Sammlung persischer Gedichte und Geschichten “Gulistan“ (dt. Der Rosengarten), die 1654 erstmals ins Deutsche übersetzt wurde. Sein Werk wurde im Orient, in Amerika und Europa in vielen Jahrhunderten bekannt.

Bekannte Schriftsteller der Gegenwart sind Mahmood Dolatabadi (z. B. “Kelidar“, 1999), Sadegh Hedayat, (z. B. “Die blinde Eule“ , 1937) und Simin Daneshvar (z. B. “Drama der Trauer“, 1997). Den Liebhabern persischer Dichtung seien Forogh Farokhzad, Nima Yushij und Ahmad Shamlou ans Herz gelegt. Letzterer übersetzte z. B. “Der kleine Prinz“ ins Persische.

Malerei

Neben dem Film ist Kunst ein weiteres Genre in Iran, in das man sich vertiefen kann. Hier ein Beispiel: Persische Miniaturen, beispielsweise aus dem 16. Jahrhundert illustrierten persische Dichtungen und Erzählungen und sind selbst erzählte Geschichten, da sie auf bildliche Weise erzählen oder mehr als den Text ergänzen. Hier sind Blick- und Lesart miteinander verwoben, in manchen Miniaturen tauchen Verse des Textes auf oder Miniaturen schmücken manche Seite zwischen anderen geschriebenen Seiten. Die Miniaturen zeigen Gärten, spiegeln den aristokratischen Glanz des Hofes wider, erzählen von grausamen Kämpfen mit Drachen und Dämonen und von trunkenen Festen und verzehrender Liebe.

Zumeist bildeten Künstler am Hofe die malerischen Fertigkeiten der heranwachsenden Künstler früh aus. Heranwachsende übten sich und kopierten zunächst die Vorlagen ihrer Meister. Im Mittelpunkt dieser Kunstart standen nicht Künstler und ihre Individualität oder ihre persönlichen Erfahrungen, sondern vielmehr kollektives Wissen um Erzählungen.

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