Die Geschichte Belgiens

Belgien gehörte im Laufe der Geschichte zu verschiedensten Ländern und Kulturen, darunter zu Burgund, Spanien, Österreich und Frankreich. Obwohl es Jahrhunderte dauerte, bis Belgien zu dem unabhängigen Staat von heute wurde, reicht der kulturelle Einfluss des Landes, das heute im Zentrum des modernen Europas steht, mit seiner zentralen Lage und erfolgreichen Kaufleuten bis ins frühe Mittelalter zurück.

Frühzeit und Mittelalter

Belgien: Geschichte

Bevor die Römer Westeuropa eroberten, war das Gebiet des heutigen Belgiens von keltischen Stämmen besiedelt. Im ersten Jahrhundert nach Christus wurde es zur römischen Provinz “Belgica“. Nach Abzug der Römer entwickelte sich die Provinz im frühen Mittelalter zum Kernland des Reichs der Franken. Später teilte sich der Herrschaftsbereich auf. Der Westen, die Grafschaft Flandern, fiel an das Westfränkische Reich, aus dem sich das heutige Frankreich entwickelte. Der Osten des Landes wurde zu einem Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.

Im ausgehenden Mittelalter blühten die Städte Belgiens auf. Der Handel mit Tuch und Erz brachte dem Bürgertum Wohlstand und politischen Einfluss. Ein Zeichen davon, das bis in die heutige Zeit geblieben ist, sind die Rathäuser, die im dekorativen Stil der Gotik gebaut und reich geschmückt wurden. Eines der schönsten Beispiele brabantischer Spätgotik ist das Rathaus von Leuven in Flandern, das du dir unbedingt anschauen solltest.

Die Herrschaft der Habsburger

Im 15. Jahrhundert n. Chr. vereinigt das Haus Burgund das französischsprachige Flandern und die Gebietsteile unter der Herrschaft des Heiligen Römischen Reiches unter sich. Die Herrschaftsgebiete fallen schließlich den Habsburgern zu, die sich wiederum in eine spanische und eine österreichische Linie teilen. Belgien wird Teil der “Spanischen Niederlande“. In den Wirren der Reformationszeit spalten sich die nördlichen, vornehmlich protestantischen Nordprovinzen davon ab, die verbliebenen habsburgischen Gebiete entsprechen zum großen Teil dem heutigen, immer noch katholisch geprägten Belgien. Als Teil der österreichischen Krone entwickelt sich aus der Handelsnation eine Industrienation, die zusammen mit England die spätere Entwicklung, die auf Kohlevorkommen und Bergbau begründet ist, vorzeichnet.

Ein kleines Land zwischen Frankreich und den Niederlanden

Mit der französischen Revolution endete die Herrschaft der Habsburger. Belgien wird zum Teil Frankreichs, Napoleon wird wie selbstverständlich der Alleinherrscher über das gesamte westeuropäische Gebiet. Nach seinem Fall wird Belgien auf dem Wiener Kongress zu einem Teil der neuen Niederlande.

Revolution und Kolonialpolitik

Die Revolution im Jahre 1830 brachte für Belgien die Unabhängigkeit von den Niederlanden. Der monumentale Justizpalast, das bedeutendste Gerichtshaus in Belgien, wurde gestürmt. Leopold I. von Sachsen-Coburg-Gotha wurde zum König ernannt, allerdings mit eingeschränkten Funktionen. Er war der Verfassung des Landes unterstellt und musste das parlamentarische System anerkennen. Als parlamentarische Demokratie entwickelte sich Belgien zur Kolonialmacht. Das Königreich besaß unter König Leopold II. (1865 – 1909) die größte Kolonie in Afrika, den Kongo. Das afrikanische Land erlangte erst am 30.Juni 1960 seine Unabhängigkeit von Belgien.

Weltkriege

Nach dem Ersten Weltkrieg mehrten sich auf flämischer Seite Stimmen, die nicht nur kulturelle Autonomie verlangten, sondern sogar von einem großniederländischen Reich träumten. Mit dem Ruf “Alles voor Vlaandern“ verbanden vor allem die ehemaligen flämischen Frontkämpfer die Forderung nach einer Selbstverwaltung. Das Streben nach Eigenständigkeit wurde auch nicht durch die Niederlandisierung der Genter Universität im Jahre 1930 und die Einführung des Niederländischen als einzige Unterrichtssprache in den Grund- und weiterführenden Schulen des flämischen Landesteil im Jahre 1932 aufgeben. Belgien wurde im Zweiten Weltkrieg unter Verletzung der Neutralität am 10. Mai 1940 durch deutsche Truppen angegriffen. Nach der Landung in der Normandie im Juni 1944 räumte die deutsche Wehrmacht im Jahre 1944 Belgien.

Nachkriegszeit

Auch über den Zweiten Weltkrieg hinaus kam es zu Massenbewegungen der Flamen, die sich als Mehrheit gegen die ihrer Meinung nach vorhandene “Verfransing“ (“Französisierung“) Belgiens wehrten. Der Streit der beiden Kulturen machte selbst vor den Hochschulen nicht halt. So wurde in der zweisprachigen Provinz Barbant mit Louvain-la-Neuve neben der flämisch-sprachigen Katholischen Universität Leuven eine neue Universität gegründet, in der ausschließlich Französisch Unterrichtssprache ist.

Belgien in der Gegenwart: Das Zentrum Europas

In den 70er Jahren entwickelte sich Belgien vom dezentralisierten Einheitsstaat zum modernen Bundesstaat und übernahm 1967 das NATO-Hauptquartier. Brüssel ist neben Luxemburg der Sitz vieler europäischer Institutionen. In den letzten Jahren verschärfte sich der flämisch-wallonische Konflikt erneut. Die flämischen Nationalisten wurden bei vorgezogenen Neuwahlen im Jahre 2010 stärkste politische Kraft. Im Jahr 2011 scheiterten nach Wahlen alle Versuche, eine neue Regierungskoalition zu bilden, da keine Einigung der flämischen und wallonischen Parteien über eine mögliche Staatsform erreicht werden konnte.

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