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4: Eindrücke von Xian
3. März 2002: Morgen sollte das reguläre Universitätsprogramm für die Ausländer starten, und weil es ab hier keinen Sinn macht, chronologisch geordnet weiter zu schreiben, fasse ich die nächsten paar Wochen mal ein wenig zusammen: Es waren einige Ausländer an die Uni gekommen, aus Australien, den USA, viele aus Korea. Eigens für sie hatte man eine Eröffnungsveranstaltung organisiert, auf der es ein paar Ansprachen, etwas zu essen, und ein unerträglich hohes Maß chinesischer Kultur gab. Es waren vor allen die Musik-Darbietungen chinesischer Oper, die es mir kalt den Rücken herunter laufen ließen. Chinesische Oper ist eine Kombination aus Gesang und Perkussionsinstrumenten, allerdings so a-rhythmisch, dass ich zunächst glaubte, sie schlagen mal wahllos auf die Trommel und Triangel, wenn sie es eben für richtig halten. Mir wurde aber erklärt, dass dahinter ein genau festgelegter Ablauf stand. Sonst eigentlich kein Kulturbanause, fand ich das wirklich unerträglich. Gerüchten zufolge setzt der chinesische Geheimdienst chinesische Oper ein um Geständnisse zu erpressen. Ich kann mir das gut vorstellen. Über die nächste Zeit pegelte sich der Tagesablauf so ein, dass Ilene von früh bis Mittag zu ihren Kursen ging und ich mich mit Stift und Zeichenblock in die Uni-eigene Parkanlage setzte, oder mir einen Film auf VCD (Video CD) anschaute. Von einem Japaner hatten wir einen gebrauchten VCD-Player gekauft, er wollte dafür nur 15 Yuan (= fast nichts in EURO) haben. In kleinen Läden konnte man VCDs für schmales Geld mieten, ähnlich wie in einer Videothek, nur dass es sich allesamt um Schwarzkopien handelt, in denen man ab und an mal einen der Kinobesucher aufstehen und auf's Klo gehen sieht. Was soll's, viele der Filme konnte man so vor dem offiziellen Kinostarttermin bekommen.
Busfahrer machen sich nicht allzu viel Sorgen. Einmal nahm unser 603er an einem kleinen Rennen mit einem Minibus eines Konkurrenzunternehmens teil. Kopf an Kopf beschleunigten die beiden Busse so gut es halt ging die Hauptstraße hinauf: in dichtestem Stadtverkehr, mit Fußgängern auf der Straße. Es ging nur darum, wer als erster den nächsten Stopp erreicht. Unser 603 war ein großer, schwerer Doppelstockbus, aber als Passagier in dem kleinen Toyota-Peoplemover wäre mir sehr unwohl gewesen. An der Hauptstraße gab es unzählige weitere Essstände und Restaurants. Besonders beliebt war bei uns bald der "Dönermann". Da gab es Fladenbrote, die man sich selbst mit einer vorwiegend vegetarischen Auswahl vom Buffet stopfen konnte. Waren billig, lecker und machten satt. Auch gut waren die Internetläden, wo Internet eigentlich an zweiter Stelle kommt. Viel wichtiger ist, dass man dort jeweils eine Auswahl an aktuellen (Netzwerk-)Spielen zur Verfügung hat. Ich ging einige Male counterstriken. Zum Einkaufen war Xian natürlich auch super. V.a. Bekleidung ist saubillig. Märkte gib es zur genüge, was nicht passt, wir entsprechend geändert. Ein bisschen Feilschtalent ist v.a. für Touris ein Muss. Ilene hat's voll raus, sie hat sich hier zu einem richtigen Talent entwickelt.
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